Weltskribenten und Poeten
von Paul Gerhardt (1607 – 1676)
1. Weltskribenten und Poeten
haben ihren Glanz und Schein,
mögen auch zu lesen sein,
wenn wir leben außer Nöten:
in dem Unglück, Kreuz und Übel
ist nichts Bessers als die Bibel.
2. Cato deuchte sich zu stellen
in die Angst mit Plato Buch,
aber Gottes Zorn und Fluch
drückt ihn gleichwohl bis zur Höllen;
sein verirrter blinder Sinn
ging und wusste nicht wohin.
3. Was Homerus hat gesungen
und des Maro hoher Geist,
wird gerühmet und gepreist
und hat alle Welt durchdrungen;
aber wenn der Tod uns trifft,
was hilft da Homerus’ Schrift?
4. Gottes Wort, das ist’s vor allen,
so uns, wenn das Herz erschrickt,
wie ein kühler Tau erquickt,
dass wir nicht zu Boden fallen.
Wenn die ganze Welt verzagt,
steht und siegt, was Gott gesagt.
5. Wenn die Scharen aller Teufel
sich empören und bemühn,
dich von Christo abzuziehn
und zu stürzen in den Zweifel,
und du sprichst nur: So spricht Gott!
Werden sie zu Schand und Spott.
6. Darum liebt, ihr lieben Herzen,
Gottes Schriften, die gewiss
in der Herzensfinsternis
besser sind als alle Kerzen;
hier sind Strahlen, hier ist Licht,
das durch alles Herzleid bricht.
7. Unser Schirmer wird’s euch lehren,
wenn ihr, was sein heilger Fleiß
ihm zum Trost und Gott zum Preis
hier gesetzet, werdet hören.
Lobt das Werk und liebt den Mann,
der das gute Werk getan.

