O Tod, o Tod, du greulichs Bild
von Paul Gerhardt (1607 – 1676)
1. O Tod, o Tod, du greulichs Bild
und Feind voll Zorns und Blitzen,
wie machst du dich so groß und wild
mit deiner Pfeile Spitzen
Hier ist ein Herz, das dich nicht acht
und spottet deiner schnöden Macht
und der zerbrochnen Pfeile.
2. Komm nur mit deinem Bogen bald
und ziele mir zum Herzen;
in deiner seltsamen Gestalt
versuchs mit Pein und Schmerzen:
Was wirst du damit richten aus?
Ich werde dir doch aus dem Haus
einmal gewiss entlaufen.
3. Ich weiß, dass dir zerschlagen ist
dein Schloss und seine Riegel
durch meinen Heiland Jesum Christ;
der brach des Grabes Siegel
und führte dich zum Siegesschau,
auf dass uns nicht mehr von dir grau;
ein Spott ist aus dir worden.
4. Besiehe deinen Palast wohl
und deines Reiches Wesen,
ob’s noch anitzo sei so voll
als es zuvor gewesen:
Ist Moses nicht aus deiner Hand
entwischt und im gelobten Land
auf Tabor schön erschienen?
5. Wo ist der alten Heilgen Zahl,
die auch daselbst begraben?
Sie sind erhöht im Himmelssaal,
da sie sich ewig laben.
Des starken Jesus Heldenhand
hat dir zersprengt all deine Band,
als er dein Kämpfer wurde.
6. Was soll’s denn nun, o Jesu, sein,
dass mich der Tod so schrecket?
Hat doch Elisa Totenbein,
was tot war, auferwecket:
Viel mehr wirst du, den Trost hab ich,
zum Leben kräftig rüsten mich,
drum schlaf ich ein mit Freuden.

