Paul-Gerhardt-Preis
Kompositonswettbewerb
»Geh aus, mein Herz, und suche Freud«, »Befiehl du deine Wege«, »Nun ruhen alle Wälder« – na, haben Sie auch sofort die Melodien im Kopf? Die drei Lieder gehören zu den bekanntesten des lutherischen Theologen und Dichters Paul Gerhardt (1607-1676). Er schrieb noch 137 weitere, 26 davon finden sich im aktuellen evangelischen Gesangbuch, sieben sogar im katholischen Gotteslob.
Neue Melodien für Paul-Gerhardt-Lieder
Die traditionellen Melodien, vornehmlich von dem Berliner Kantor Johann Crüger (1598-1662) gesetzt, haben nach wie vor ihre gute Berechtigung. Aber wie wäre es, den Gedichten Gerhardts durch neue Melodien bislang ungehörte Aspekte abzugewinnen? Wie gut passen die Jahrhunderte alten Texte zu frischen Tönen und Rhythmen?
Zum 350. Todestag des Dichters am 27. Mai 2026 riefen die Paul-Gerhardt-Gesellschaft, die Magazine »zeitzeichen« und »chrismon« sowie die VELKD zu einem Kompositionswettbewerb auf: Welche Musikerin, welcher Musiker hat Freude daran, ein beliebiges Paul-Gerhardt-Gedicht neu zu vertonen?
Erwartet wurden Melodien möglichst mit Harmonisierung / instrumentalem Begleitsatz, mehrstimmigem Chorsatz oder Arrangement, die von Gemeinden und Gruppen leicht gesungen werden können, aber gleichwohl einen besonderen Ausdruck haben. Möglich waren auch kreative Lösungen, die bei vielstrophigen Liedern unterschiedliche Melodieführungen je nach Textinhalt vorsehen.
Als Anregung seien vier bekannte Liedtitel genannt, bei denen beispielsweise eine musikalische Neufassung erwünscht wäre:
- Befiehl du deine Wege: die EG-Fassung in d-Moll (EG 361) ist als Friedhofsgesang etabliert, lässt aber der Zuversicht gelingender Lebenskunst wenig Raum.
- Du, meine Seele, singe: die EG-Melodie (EG 302) überfordert mit ihrem großen Ambitus gleich zu Beginn.
- Geh aus, mein Herz, und suche Freud: die sehr populäre EG-Melodie (EG 503) hat u.a. den Schönheitsfehler, dass die letzte Liedzeile wiederholt werden muss und passt in ihrem Tonfall nicht unbedingt zum „Ernst“ der zweiten Liedhälfte.
- Wach auf, mein Herz und singe: das Morgenlied, in Crügers Gesangbüchern stets die Nr. 1, erhielt von ihm nur eine Lehnmelodie und hätte eine eigene verdient. Die EG-Fassung (EG 446) ist zudem rhythmisch heute problematisch.
Eingereicht konnten eine oder mehrere bislang noch nicht publizierte Neukompositionen. Einsendeschluss war der 31. Oktober 2025.
Die Jury vergab drei Preise, die mit folgenden Preisgeldern verbunden sind:
1. Preis: 3000 Euro
2. Preis: 2000 Euro
3. Preis: 1000 Euro
Die Nennung der Preisträgerinnen und -träger sowie die Veröffentlichung der ausgezeichneten Lieder (im Internet) ist zum Sonntag Kantate 2026 (3. Mai) vorgesehen.
Preisverleihung
Die Preisverleihung findet am 350. Todestag von Paul Gerhardt, dem 27. Mai 2026 um 18 Uhr in der Berliner Nikolaikirche statt, also dem Ort, an dem der Namensgeber des Preises lange wirkte. Der Eintritt ist frei. Gestaltet wird die Veranstaltung nach derzeitigem Planungsstand unter anderem von der Schirmherrin des Paul-Gerhardt-Preises, Margot Käßmann, der stellvertretenden Leitenden Bischöfin der VELKD, Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, und dem Berliner Staats- und Domchor unter der Leitung von Kai-Uwe Jirka. Alle ausgezeichneten Werke werden dabei zur Aufführung kommen.
“Im Strom der Zeit”
In einem Interview mit dem Magazin »zeitzeichen« erläutert der Vorsitzende der Paul-Gerhardt-Gesellschaft, Konrad Klek, die Hintergründe zum Melodienwettbewerb.
Die Jury:
- Konrad Klek (Vorsitz)
Präsident der Paul-Gerhardt-Gesellschaft - Beate Besser
Vorsitzende der Liedkommission im Gesangbuchausschuss der EKD - Til von Dombois
Popkantor in Hildesheim - Cordula Scobel
Dekanatskantorin in Gießen - Johannes Goldenstein
Gottesdienstreferent der VELKD
mehr Informationen zu Paul Gerhardt
Schirmherrschaft: Margot Käßmann

So manches Lied von Paul Gerhardt habe ich selbst als Kind sozusagen beim Kochen gelernt. Beispielsweise »Du meine Seele singe«, seine Aufnahme von Psalm 146, schmetterte meine Großmutter gerne in der Küche. Oder auch »Lobet den Herren, alle die ihn ehren«. Wenn ich diese Texte lese und höre, kommt mir sofort die Melodie in den Kopf, ja, ich erinnere mich an die Gerüche in unserer Küche, an die Großmutter, wie sie Gulasch kocht oder Rouladen, wie wir Marmelade eingemacht oder Gänsesülze fabriziert haben. Letzteres war wahrhaftig ein großer Akt und dauerte lange genug selbst für »Ich singe dir mit Herz und Mund«, alle 18 Strophen.
Paul Gerhardt thematisiert Leiden und Sterben, das Kreuz ist eines seiner großen Themen. Aber niemals bleibt er beim Leiden stehen, immer wieder enden die Verse in der großen Glaubenshoffnung der zukünftigen Welt. Das ist allerdings keine Vertröstung, die von dieser Welt ablenkt, wegführt, sondern in die Welt verweist. Leiden ist auch für Paul Gerhardt eine Glaubensanfechtung, aber sie mündet in die Erkenntnis, dass gerade wenn wir leiden, Gott uns trägt, der Glaube unser Halt ist.

