Die Osterbotschaft des Leitenden Bischofs der VELKD, Landesbischof Ralf Meister
Trost und Trotz

„Christus ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden“: Das ist die traditionelle Osterbegrüßung unter Christinnen und Christen. In diesen Worten liegt so viel mehr als in bekannten Volksweisheiten wie „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“. An Ostern geht es nicht um eine Durchhalteparole. Nicht das passive Abwarten hat die frühe Christenheit zu einer rasant wachsenden Glaubensgemeinschaft werden lassen, sondern das aktive Weitermachen im Geist dessen, den sie auferstanden glaubten. In dieser Botschaft fanden sie tröstenden Zuspruch und die Kraft zum Trotz zugleich.
An ein aktuelles Beispiel dafür wurde ich in den vergangenen Wochen erinnert, als mir Pastor Alexander Gross aus Odessa schrieb. Ich hatte seine lutherischen Gemeinden, in denen sich ukrainische Binnenflüchtlinge aus besetzten und frontnäheren Gebieten sammeln, 2023 besucht. Damals zeigte er mir auch die Kirchenruine in Novogradkivka, dem früheren Neuburg. Die lutherische Kirche von 1904 wurde 1933 beschlagnahmt und verfiel seitdem. Jetzt soll daraus ein soziales und seelsorgerliches Begegnungszentrum mit Sonntagsschule, ein Kinderzentrum für Kinder aus sozial benachteiligten Familien, eine Winterunterkunft für alleinstehende Seniorinnen und Senioren und eine Suppenküche werden. Eine wahnwitzige Idee, die nun Schritt für Schritt umgesetzt wird – den mörderischen Angriffen zum Trotz. Eine Idee, die den Gemeinden Kraft und Zuversicht gibt. Das ist für mich Ostern.
Unsere ukrainischen Glaubensgeschwister sagen: Христос воскрес! – Воістину воскрес!
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest!
Hannover, März/April 2026


