„Demokratie braucht mehr als gute Argumente“

Leitender Bischof der VELKD empfiehlt Einübung in das „Gefühlsset des Evangeliums“

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Demokratie lässt sich nicht allein mit guten Argumenten verteidigen. Es braucht auch eine andere Weise des Fühlens und Mit-Fühlens. Dafür hat sich der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Ralf Meister, zum Auftakt der 7. Tagung der 13. Generalsynode in Würzburg ausgesprochen.

„Angesichts des Erstarkens extremer Kräfte an den politischen Rändern muss die Kirche nicht nur überzeugende Argumente gegen Hass, Angst und Verachtung vorbringen, sondern auch eine Haltung vorleben, die von Mitgefühl, Hoffnung und der Liebe zur Welt geprägt ist. Die Einübung dieser anderen Weise des Fühlens ist die eigentliche Herausforderung für die Kirche in der gegenwärtigen politischen Situation“, sagte Meister. Politische Haltungen seien eng mit Emotionen verbunden. Wut, Zorn und Verachtung könnten sich gesellschaftlich ausbreiten und andere Menschen anstecken.

Dem setzte Meister das „Gefühlsset des Evangeliums“ entgegen. Die Botschaft Jesu eröffne Wege, Angst in Zuversicht, Hass in Vergebung und Fremdheit in Nähe zu verwandeln. Am Beispiel des barmherzigen Samariters verdeutlichte der Theologe, dass christliche Nächstenliebe nicht bei moralischen Appellen stehen bleibe: Sie beginne damit, das Leiden eines anderen Menschen wahrzunehmen und sich davon berühren zu lassen – unabhängig von seiner Meinung und davon, wie fremd oder unsympathisch dieser Mensch erscheine.

Diese Haltung bedeute keineswegs, auf politischen Widerspruch zu verzichten. „Gerade weil uns diese Welt nicht gleichgültig ist, müssen wir widersprechen“, betonte Meister, wenn Menschenwürde verletzt, Demokratie verachtet oder Menschen ausgegrenzt würden. Doch der Widerspruch allein reiche nicht aus. Die Kirche müsse eine Liebe zur Welt ausstrahlen, die sich von Hass nicht anstecken lasse und Menschen nicht aufgebe.

Mit einem Gedanken der Philosophin Hannah Arendt brachte Meister diese Haltung auf den Begriff: Amor mundi – Liebe zur Welt. Seine Schlussfolgerung: „Denn diese Welt gehört nicht den Zornigen. Sie gehört nicht den Hassenden. Sie gehört den Liebenden.“

Informationen, Berichte und Bilder finden Sie unter: www.velkd.de/generalsynode2026.

Würzburg, 6. November 2026

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