Advents- und Weihnachtsbotschaft des Leitenden Bischofs der VELKD, Landesbischof Ralf Meister
„Daran sollt ihr ihn erkennen“

Erlöser liegen im Trend. Manche nennen sich Weltretter oder Friedensfürst – und Millionen sehnen sich nach solchen autoritären Füh-rungsfiguren. Wer verspricht, das Chaos zu ordnen, Kriege zu beenden, Städte zu ver-schönern, das Ruder wieder herumzureißen, darf auf Zuspruch hoffen. Erlöser reden laut, setzen auf Stärke und auf Macht und versprechen eine neue Welt.
Der Erlöser, der den Menschen in der Heiligen Nacht angekündigt wird, ist anders. „Daran sollt ihr ihn erkennen“, sagen die Engel: „Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegend.“ Dieser Retter trägt weder Rüstung noch Krone, er hat kein Programm und kein Manifest.
Windeln sind das Zeichen höchster mensch-licher Bedürftigkeit, und die Krippe ist eine improvisierte Unterkunft für die heimatlose Familie. Das Kind, das Maria „Jesus“, „Gott rettet“, nennen soll, kommt zur Welt, wo alle Insignien der Macht und Herrschaft fehlen. Von der Verheißung dieser Nacht hat die Mutter ihrem Kind schon gesungen: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.“
So sieht Rettung aus, wenn Gott sie vollbringt – nicht von oben herab, sondern von unten. Nicht als Triumph der Macht, sondern als Stärke der uns berührenden Ohnmacht. Gibt es etwas Überwältigenderes als den Anblick eines neugeborenen Kindes? Weihnachten heißt: Gott kommt nicht, um zu herrschen, sondern um uns zu berühren. Wer sich zu dieser Krippe beugt, sieht, wie klein der Himmel werden kann – damit wir ihn begreifen. Eine Botschaft, die im Jahr der selbst ernannten Erlöser besonders aktuell ist.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!
Hannover, November/Dezember 2025


