Leitender Bischof Ralf Meister

Berichte, Predigten und Texte

Mehr als blühende Narzissen
Osterbotschaft - Donnerstag, 18. April 2019

Der Tod hat nicht das letzte Wort. Deshalb feiern wir Ostern. Es bleibt die Frage, wie unser Leben ohne den Schrecken des Todes aussehen soll. Der Tod wird in der Osterbotschaft ja nicht verneint oder für ungültig erklärt. „Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier“, sagt der Engel zu den Frauen, die an das Grab Jesu kamen (Markus 16,6). Der Tod bleibt real. Für die Frauen damals. Und für uns. Er baut sich ...

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Tränen sind Fürbitten ohne Worte
Karfreitag - Mittwoch, 17. April 2019

Weinen müssen wir nicht lernen. Das ist angeboren. Was wir lernen, ein Leben lang, ist das Unterdrücken der Tränen. Mal gelingt es besser, mal schlechter. Aber jeder Mensch weint. Meist tun wir das im Verborgenen, denn es gibt nur ein paar Gelegenheiten, in denen das Weinen in der Öffentlichkeit erlaubt ist: Bei einem traurigen Abschied, am Grab, einem großen Schmerz. Ansonsten gilt: Tränen sind Zeichen von Schwäche – „Jungs weinen nicht!“ Gott sei Dank stimmt das nicht, und es ...

Karfreitag 2019 66,00 kbSeite drucken
Grußwort zum 25-jährigen Jubiläum des Liturgiewissenschaftlichen Instituts
Alter Senatssaal der Universität Leipzig - Dienstag, 19. März 2019

„Wir können so sehr versuchen, wie wir wollen, Stille herzustellen, es wird uns nie ganz gelingen.“  (John Cage)

Sehr geehrte Damen und Herren!   

„Gesehen haben wir das wahre Licht.“ Die Nestor-Chronik des alten Russlands berichtet, wie Fürst Wladimir von Kiew Gesandte ausschickte, die für sein Volk die beste Religion aussuchen sollten. Die Berichte über ihre Erfahrungen bei den Bulgaren, Germanen und anderen Völkern fielen nicht günstig aus. Auf dem Heimweg kamen sie ...    

Grusswort LB Meister - 25 Jahre 100,53 kbSeite drucken
Ansprache zur Verabschiedung von Landesbischof Gerhard Ulrich
Dom zu Schwerin - Samstag, 9. März 2019

Liebe Festgemeinde, sehr geehrter Landesbischof, lieber Gerd,

„Als er Siebzig war und war gebrechlich, Drängte es den Lehrer doch nach Ruh,
Denn die Güte war im Lande wieder einmal schwächlich.
Und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.
Und er gürtete die Schuh."

                               (B. Brecht, GW 9, Gedichte 2, S.660 f., Frankfurt 1967)

Er ist nicht siebzig, sondern heute erst 68 Jahre alt geworden. Er ist alles andere als gebrechlich, sondern jung und kraftvoll, – aber: Er geht! Er gürtet seine Schuh...

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Suche Frieden und jage ihm nach!
- Sonntag, 30. Dezember 2018

Im vergangenen Jahr war ich mit meinen Kindern (17 und 18 Jahre alt) in der zentralen Gedenkstätte Yad Vashem in Jeru­salem. Nach zwei Stunden schweigendem Gang durch die Ausstellung fragte meine Tochter: „Und Oma hat da schon gelebt?“  Wir spürten alle sofort, dass die Erinnerung an dieses ...

Neujahrsbotschaft 2019 164,22 kbSeite drucken
Weihnachtsbotschaft
- Donnerstag, 20. Dezember 2018

„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht!“

„Ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen, dass es einen solch tra­gischen Unterschied zwischen dem gibt, wie unser Planet von außen aussieht und was tatsächlich an vielen Orten am Boden passiert. (…) Wie würden wir all dies einem inter­planetaren Besucher erklären?“ So twitterte Ende November der deutsche Astronaut Alexander Gerst von der Internationalen Raumstation zu einem Foto vom Mittleren Osten. Man erkennt Berge und die Wüsten, sieht fruchtbare Landschaften. Flussläufe ziehen sich durch gelbe Farben und an den Küsten blau das Meer. So sieht der Teil der Welt, in dem Jesus geboren wurde, aus einer Höhe von 400 Kilometern aus. Schönheit und Stille, wenn man von oben schaut. Krieg und Geschrei, wenn man mitten drin ist. Nicht nur den ...

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Gottesdienst zur Einführung der Neuen Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder
Schlosskirche Wittenberg - Sonntag, 2. Dezember 2018

Von Kleidern kein Wort. Weder in den exegetischen Betrachtungen noch in den Meditationen: Kleider kommen nicht vor. So als sei es das Selbstverständlichste, dass Menschen ihre Kleider ausziehen, um einen staubig-schmutzigen Weg für einen anderen Menschen zu verschönern.

Alles andere über den Einzug haben wir oft gehört. Der Gegensatz von Jesu Einzug zu den opulent ausstaffierten Aufzügen von Despoten, Kaisern und Möchte-Gern-Helden. Sanftmut gegen Protz, Ohnmacht statt Potenz.

Keine Fähnchen-winkende Menge, konfettiwerfenden Jubelchöre, kein ...

Predigt zur Einführung der Neuen Ordnung 307,19 kbSeite drucken
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