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(Bild: @velkd)

5. Symposion der VELKD für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler

Ein Rückblick von Oberkirchenrat Dr. Andreas Ohlemacher, Referent für theologische Grundsatzfragen

Die Deutung und Auslegung der Heiligen Schrift gehört zu den zentralen Aufgaben von Theologie und Kirche. Im Zuge des Reformationsjubiläums wurde vielfach die Erinnerung an ein programmatisches ‚sola scriptura‘ beschworen. Doch wie gestaltet sich ein angemessener Umgang mit „der Schrift“ in der Gegenwart? Welche Zugänge aus der geschichtlichen Vielfalt des Christentums und der Wissenschaften tragen zu einer „Klarheit" des Schriftverständnisses bei? 

Diesen und anderen Fragen gingen 16 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf der Tagung „Claritas scripturae? Schrifthermeneutik aus evangelischer Sicht“ nach. An dem Symposium, das vom 11.-13. September 2019 auf Einladung der VELKD im Theologischen Studienseminar der VELKD in Pullach stattfand, nahmen Forschende von acht Fakultäten im Inland sowie aus der Schweiz und den USA teil. Fragestellungen aus allen Fachgebieten der Theologie wurden behandelt, literatur- und kulturwissenschaftliche Zugänge berücksichtigt. Begleitet wurde die Tagung von Prof. Dr. Martin Kessler (Heisenberg-Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main).

In den Vorträgen und Diskussionen kamen die Ansätze Martin Heideggers oder Hans Georg Gadamers ebenso zur Sprache wie jene Luthers und Melanchthons. Fragen alt- und neutestamentlicher Exegese waren einbezogen. Evangelikalem Schriftverständnis war ebenso ein Beitrag gewidmet wie jeweils einem Vertreter der lutherischen Orthodoxie und der frühen Aufklärung. Mit Mut und Frische, ohne konfessionelle oder dogmatische Scheuklappen, wurden Begriffe wie Rezeptionsästhetik, Kanon, Intertextualität und aktuelle Ansätze wie die von Ulrich H. Körtner, Ulrich Barth, Ingolf Dalferth und anderer diskutiert.

Zu den Ergebnissen des Symposiums gehört, dass die „Heilige Schrift“ eine evangelische Theologie und Kultur prägende Rolle einnimmt, jedoch in der wissenschaftlichen Theologie nicht als unhinterfragbare Autorität vor alle anderen Zugänge zu christlichen Aussagen gesetzt werden kann. Die innerbiblische Pluralität stellt vor Herausforderungen: von den Autoren bis zu den Theologien der Bibel, von rekonstruierbaren früheren und späteren Aussagestufen bis zu den Kontexten, in denen biblische Schriften entstanden und nach und nach zum „Kanon“ gewachsen sind – ebenso besteht eine Pluralität im Blick von außen, von unmittelbaren Verstehensansätzen bis zu den ausgefeilten Hermeneutiken der Gegenwart.

Die Resonanz auf die Tagungseinladung zeigte, dass das Thema Schrifthermeneutik auch unter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern breit diskutiert wird. Das Symposion in Pullach war eine Momentaufnahme und hat durchaus unterschiedliche Ansätze in verschiedenen Fächern zutage gefördert, die kollegial, kritisch und mit besten Aussichten für Wissenschaft und Kirche ins Gespräch gebracht werden können. Die Beiträge werden veröffentlicht.

Dr. Patrick Bahl, Steffen Götze, Dr. Christina Costanza, Assistant Professor Dr. Jacob Corzine, Dr. des. Alexander Kupsch, Sven Rathmann, Kinga Zeller Ph. D., Dr. Johannes Beck, Tobias Graßmann, Prof. Dr. Martin Keßler, Dr. Frederike van Oorschot, Malte Dücker, Konstantin Sacher, Dr. Knud H. Boysen, Dr. Andreas Ohlemacher, Dr. des. Florian Priesemuth, Wolfgang-Michael Klein. (v.l.n.r.)

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