Neben dem Krippen-Idyll — handelt es sich wirklich um eine Idylle? — stehen Wanderung und Flucht und der Bescherung durch die heiligen Magier aus dem Orient folgt der Kindermord. In den ersten drei Jahrhunderten kannte die Christenheit außer dem Osterfest keine Jahresfeste. Erst im 4. Jh. begann man in Rom, den 25. Dezember als Geburtsfest Christi zu feiern. Etwas früher setzte sich im Osten und in manchen Gebieten des Abendlandes der 6. Januar als Fest der Erscheinung Christi (Epiphanie; Genitiv Epiphanias) durch.
Über den Ursprung des römischen Weihnachtsfestes gibt es unterschiedliche Hypothesen. Manche gehen davon aus, dass christliche Theologen durch Berechnungen verschiedenster Art auf den 25. Dezember als Geburtsdatum Jesu gekommen sind. Andere meinen, dass das Geburtsfest Jesu mit dem Fest des unbesiegten Sonnengottes (Natale Solis Invicti) zusammenhängt, das der römische Kaiser Aurelian im Jahre 274 eingeführt und in die Nähe der Wintersonnenwende auf den 25. Dezember gelegt hatte. Vermutlich haben beide Faktoren — Versuche, das Geburtsdatum Jesu zu berechnen, und die Verchristlichung des Sonnenfestes — bei der Entstehung und raschen Ausbreitung des Festes zusammengewirkt. In den Kirchen des Ostens tritt es seit dem Ende des 4. Jh. dem Epiphaniasfest zur Seite — mit Ausnahme der armenischen Kirche, die bis heute die Geburt Jesu nicht am 25. Dezember, sondern nur am 6. Januar feiert.
Von Beginn an ist dem Weihnachtsfest die Lichtthematik eigen: Die Menschwerdung Gottes wird ins Bild gesetzt durch das Gleichnis vom Licht, das in die Welt kommt (Joh 1,4f.7.9; 3,19ff.; 8,12; 9,5 u. ö.) und die Finsternis vertreibt: »Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein’ neuen Schein« (EG 23). Als Christusfest kommt Weihnachten — von der Christvesper am Heiligen Abend bis zum Epiphaniasfest am 6. Januar — die weiße Farbe zu.