Aus gegebenem Anlass:

Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber

Januar 2015

Die Nachricht vom plötzlichen Tod des ehemaligen Catholica-Beauftragten der VELKD (2005 - 2014), Landebischof i. R. Prof. Dr. Friedrich Weber, hat nicht nur in der VELKD und ihren Gliedkirchen, sondern weit darüber hinaus Bestürzung und Trauer ausgelöst.

In Würdigung des Andenkens von Friedrich Weber geben wir an dieser Stelle einige Stimmen zur Kenntnis:

Landesbischof Gerhard Ulrich, Schwerin
Leitender Bischof der VELKD

„Mit Friedrich Weber verliert die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands und die Ökumene eine ihrer prägendsten Gestalten und einen großartigen Menschen. Als Catholica-Beauftragter der VELKD und als Co-Vorsitzender der dritten Bilateralen Arbeitsgruppe zwischen VELKD und Deutscher Bischofskonferenz hat er die ökumenischen Gespräche in herausragender Weise mitgestaltet.
Er war auf beiden Seiten ein anerkannter und gefragter Gesprächspartner und ist zu einer Instanz für den ökumenischen Dialog geworden. Friedrich Weber hat es vermocht, die Balance zwischen wohlwollender Zuwendung zu den ökumenischen Partnern und eigener kritischer Bestandsaufnahme produktiv einzubringen.
Neben der kirchenpolitischen Bedeutung der ökumenischen Beziehungen hat er sich zudem wissenschaftlich mit den damit verbundenen theologischen und kirchengeschichtlichen Fragen auseinandergesetzt.
Friedrich Weber war ein hoch geschätztes Mitglied der Bischofskonferenz der VELKD, der mit theologischer Klarheit und menschlicher Wärme die Menschen gewann.
Mein tiefempfundenes Mitgefühl gilt seiner Ehefrau und Familie.“

 

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Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke, Bückeburg
Catholica-Beauftragter der VELKD

„Ich bin persönlich sehr erschüttert und traurig angesichts dessen, dass Bischof Weber so kurz nach seinem Eintritt in den Ruhestand hat sterben müssen. Als ich vor 5 Jahren in die Aufgabe in Schaumburg gekommen bin, war Bischof Weber Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachen. Er hat in Flüchtlingsfragen, in ökumenischen Fragen, aber auch in vielen anderen gesellschaftlichen Aufgaben, in denen die evangelischen Kirchen in Niedersachsen verbunden sind, Wegmarken gesetzt und entscheidende Impuls gegeben. Besonders in seinem ökumenischen Engagement, in seinem Catholica-Auftrag, in dem ich nun sein Nachfolger bin, hat er große Spuren hinterlassen. Sein persönliche Zugewandtheit im Gespräch, sein theologisches Wissen haben große Auswirkungen gehabt für das ökumenische Miteinander in Niedersachsen und auf der Ebene des Gespräches zwischen VELKD und Deutscher Bischofskonferenz.
Ich persönlich habe ihm sehr viel zu verdanken. Und in den gemeinsamen Jahren in Niedersachsen ist die Verbindung zwischen der braunschweigischen und der schaumburg-lippischen Landeskirche sehr verlässlich entwickelt worden.“

 

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Prof. Dr. Dr. h. c. Wilfried Hartmann, Hamburg
Präsident der Generalsynode der VELKD

„Die Berichte von Friedrich Weber als Catholica-Beauftragter der VELKD vor der Generalsynode haben über neun Jahre mit bewundernswerter Klarheit und einem außergewöhnlichen Einfühlungsvermögen die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Luthertum und römisch-katholischer Kirche analysiert und stellten Höhepunkte der synodalen Arbeit dar.“

 

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Landesbischof Dr. Christoph Meyns, Wolfenbüttel
Evangelisch-lutherischen Landeskirche, Braunschweig

„Die Ökumene war sein Markenzeichen. Wann immer der Papst eine umstrittene Entscheidung traf, wurde Friedrich Weber gefragt, was die Kirchen der Reformation dazu sagen. Denn Weber war nicht nur Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, sondern bis zu seinem Ruhestand auch Beauftragter der lutherischen Kirchen in Deutschland für das Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche.
Da war Diplomatie ebenso gefragt wie theologische Geradlinigkeit, kirchenpolitisches Geschick ebenso wie konfessionelles Rückgrat. So, wie der Pontifex Brücken bauen soll, um die Einheit der Kirche zu fördern, soll der Catholica-Beauftragte die Brücke zwischen Lutheranern und Katholiken begehbar halten und - wenn möglich - sogar verbreitern. Gerne sprach Friedrich Weber deshalb von einer "Ökumene des Lebens" anstatt von einer "Ökumene der Profile", weil er das gute Miteinander der geschiedenen Konfessionen vor Ort lieber in den Blick nehmen wollte als die kirchenamtlichen Differenzen.
So war es konsequent, dass er 2007 auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirche in Deutschland (ACK) wurde. Ihr gehören 16 Mitgliedskirchen und vier Kirchen als Gastmitglieder an, darunter auch orthodoxe Kirchen und evangelische Freikirchen, wie die Heilsarmee oder die Evangelisch-methodistische Kirche. Der Protestantismus ist ja bereits in sich ein ökumenisches Phänomen, was vor allem die Jahrhunderte lange Trennung zwischen den evangelisch-reformierten und den evangelisch-lutherischen Christen zeigt.“

„Ökumenisch verbindlich, theologisch versiert, öffentlich engagiert - mit diesen Qualitäten gab Weber der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig ein erkennbares Gesicht. Dafür genoss er bei vielen Menschen großen Respekt und ein hohes Ansehen. Immer wieder betonte er, gerne Bischof im Braunschweiger Land zu sein. Er liebte es, am Sonntag auf der Kanzel zu stehen. Er besuchte die Pfarrhäuser und Kirchenvorstände und legte ein besonderes Augenmerk auf die Visitation der Propsteien.
Bei seiner Verabschiedung vor der braunschweigischen Landessynode attestiert ihm deren langjähriger Synodenpräsident Gerhard Eckels, dass er sich "in hohem Maße" um die Landeskirche verdient gemacht habe. Zentrale Reformen der vergangenen Jahre seien in besonderer Weise auf seine Initiative zurückgegangen. Und Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer unterstrich, Weber sei in seiner Amtszeit zu einer "ldentifikationsfigur im Braunschweiger Land" geworden.“

 

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Bischof Dr. Gerhard Feige, Magdeburg
Deutsche Bischofskonferenz

„Nicht nur für die Deutsche Bischofskonferenz war Landesbischof Weber ein zuverlässiger und hoch angesehener ökumenischer Partner. Dankbar sei erwähnt, dass er auch als CoVorsitzender einer Konsultationsreihe des Päpstlichen Einheitsrates und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa zu Fragen der Ekklesiologie in besonderer Weise V ortung für den katholisch-evangelischen Dialog übernommen hat. Sein Wirken als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland von 2007 bis 2013 verdient ebenfalls großen Respekt.

Mit dem Tod von Landesbischof Weber verliert die Ökumene einen leidenschaftlichen Mitstreiter. Mit seiner reichen Erfahrung und seinem unermüdlichen Engagement hat er sich in höchstem Maß um die Ökumene verdient gemacht. Dafür ist ihm die Deutsche Bischofskonferenz zu großem Dank verpflichtet. Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren.“

 

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Prof. Dr. Wolfgang Thönissen, Paderborn
Leitender Direktor des Johann-Adam-Möhler-lnstituts

„Landesbischof i. R. Weber war unserem Hause durch sein wiederholtes Mitwirken bei unseren ökumenischen Studienkursen sehr verbunden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er vor einigen Jahren eine Nachtfahrt im Auto auf sich genommen hat, um vormittags den Hauptvortrag im Studienprogramm wahrnehmen zu können.
Wir haben ihn immer als Wissenschaftler und spirituell geprägten Theologen kennengelernt der der römisch-katholischen Kirche und dem Anliegen der Ökumene mit ausdrücklichem Wohlwollen begegnete.“

„Niemand kennt die Stunde! Mit Respekt und Dankbarkeit denken wir in diesen Tagen an den Verstorbenen.“

 

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