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Vom Sonntag her leben - Der Weihnachtsfestkreis

Die Sonntage im Advent

Das lateinische Wort adventus, zu deutsch Ankunft, konnte in der Antike die Thronbesteigung eines Herrschers bezeichnen, seinen ersten offiziellen Besuch nach Antritt der Herrschaft, aber auch die Ankunft einer Gottheit im Tempel. Christen verwendeten das Wort sowohl zur Bezeichnung der Ankunft des Christus unter den Menschen, seine »Erscheinung im Fleisch«, als auch zur Bezeichnung seiner erhofften Wiederkunft am Ende der Zeiten. Die Entstehung der Adventszeit, die der christliche Osten in dieser Form nicht kennt, hängt vermutlich mit der altkirchlichen Taufpraxis zusammen. Bezeugt ist ein mehrwöchiges Fasten, das am 11. November begann und ursprünglich wohl auf die zu Epiphanias (6. Januar) vollzogenen Taufen vorbereitete.

Die Zahl der Adventssonntage — zunächst sechs — verkürzte man später auf vier. Unterschiedlich waren auch die inhaltlichen Akzente: Während in manchen Regionen die Erwartung der Menschwerdung Christi, also das weihnachtliche Motiv, bestimmend war, stand in Gallien und anderen Gebieten der Gedanke der Buße angesichts der Wiederkunft des Herrn im Vordergrund und führte zur Ausgestaltung der Adventszeit als Bußzeit (violette Farbe, Wegfall des Gloria in excelsis). Eine frühe römische Leseordnung verband das Thema der Wiederkunft Christi mit dem Vorläufermotiv (Johannes der Täufer) und dem ›herrscherlichen‹ Motiv des Einzugs Jesu in Jerusalem. Die Bedeutung, die Christen der Adventszeit beilegen, drückt sich in ihren Adventsliedern aus. Advent wird hier als Erscheinung der Menschenfreundlichkeit Gottes verstanden (Tit 3,4). Beliebt sind die Metaphern vom König, der »in niedern Hüllen« Einzug hält (EG 14), von Tor und Tür, Psalm 24 entlehnt (EG 1), vom ankommenden Schiff (EG 8), vom Schleier, den Gott selbst zerreißt (EG 7), vom Licht, das in das Dunkel scheint (EG 4,4; 16,5). Aber auch die Sendung des Johannes (EG 10), die Wiederkunft Christi (EG 6) und sein Einzug in das Herz der Menschen (EG 10) werden besungen.

Die Adventszeit ist in vielfältiger Weise eine Zeit der Erinnerung und der Erwartung, der Bereitung und der Buße. Ihr Sinn wird verkürzt, richtet man sie lediglich auf das historische Ereignis der Geburt Jesu aus. Noch weniger wird ihre Umformung in eine stimmungsvolle, kommerzbestimmte ›Vorweihnachtszeit‹ dem gerecht, was in der Adventspräfation zum Ausdruck kommt: »Ihn hast du gesandt als Sohn deines Volkes Israel, den Völkern das Heil zu verkünden, durch ihn erfüllst du alle Verheißungen der Propheten.«