Er sei zudem der wichtigste Lehrer der reformierten Kirche, der den Protestantismus in der Schweiz, in Frankreich und in Schottland kraft seiner organisatorischen Fähigkeiten geeint und ihm seine Form gegeben habe. Der Calvinismus, dessen wichtigstes Dokument der „Heidelberger Katechismus“ ist, habe auch in Deutschland prägende Wirkung entfaltet, im letzten Jahrhundert besonders durch das Wirken Karl Barths, von dem viele heutige Theologen geprägt seien.
Besondere Aufmerksamkeit habe Calvin der Betreuung der zahlreichen Flüchtlinge in Genf gewidmet, deren Schicksal er aus eigenem Erleben kannte. Ihre Integration in das Genfer Gemeinwesen könne heute als Modell für die demokratische Entwicklung einer Kommune betrachtet werden.
An der mit Calvin verbundenen strengen Kirchenzucht scheiden sich bis heute jedoch die Geister, so Friedrich. Offen sei die Frage, ob Calvin auch als Wegbereiter des modernen Kapitalismus gelten solle. Zu würdigen jedoch sei das Identifikationspotential, das Calvins wirtschaftspolitische Impulse für die heutige soziale Marktwirtschaft biete.
Für das heute immer enger werdende Zusammenleben von Reformierten und Lutheranern in Deutschland könne Calvin einen Impuls dafür geben, sich weiter um Verständigung zu bemühen und theologische Streitfragen etwa im Verständnis des Abendmahls im Konsens zu überwinden.