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Vom Sonntag her leben - Der Osterfestkreis - Die Passionszeit

5. Sonntag der Passionszeit: Judika

Mit lautem Schreien und mit Tränen: Mehr noch als das Evangelium vom Rangstreit der Jünger (Mk 10,35-45) gibt die Epistel (Hebr 5,7-9) diesmal das Thema des Sonntags vor: die Selbsthingabe Jesu an Gott und die Menschen in seinem Leben und Wirken — es ist ausdrücklich von »den Tagen seines irdischen Lebens« die Rede -, die sich in seinem Leiden und Sterben am Kreuz vollendet.

In einer sehr spannungsvollen Entsprechung steht dazu die alttestamentliche Lesung von der — durch Gott in letzter Minute verhinderten! — Opferung Isaaks (1 Mose 22,1-13). Der dem Evangelium entnommene Wochenspruch (Mt 20,28; vgl. Mk 10,45) bindet die drei Texte zusammen: »Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.« Einzig das zweite Tagesgebet spricht dieses Thematik an: »...du hast deinen Sohn leiden und sterben lassen, um uns zu erretten.« Das dritte Tagesgebet spricht vom Weg Gottes zu uns »durch die Ungerechtigkeiten und das Leiden dieser Welt hindurch« — und bittet dann: »Hilf uns, diesen Weg zu finden«.

Nach der älteren Ordnung begann mit dem Sonntag Judika (»Schaffe mir Recht, o Gott«, Ps 43) die eigentliche Passionszeit: Altarkreuz und -bilder wurden mit Tüchern verhängt (entstanden aus den Hunger- bzw. Fastentüchern, mit denen man seit dem 11. Jh. den Blick auf den Altar versperrte). Das ›Fasten der Augen‹, das man sich auferlegte, sollte ein Zeichen der Buße sein. Neben den Lesungen des Sonntags spricht in besonderer Weise das Wochenlied EG 76 das Passionsthema an: »...dass er für uns geopfert würd, trüg unsrer Sünden schwere Bürd wohl an dem Kreuze lange.«

Liturgische Farbe: violett
Evangelium: Mk 10,35-45
Predigt: 1 Mose 22,1-13
Wochenlied: O Mensch, bewein dein Sünde groß (EG 76)

Fürbitten für den 5. Sonntag der Passionszeit: Judika
(10. April 2011)

Du unser Gott, du bist ein Gott des Lebens.
Du willst keine Opfer mehr,
du willst, dass wir leben.
Darum greif ein,
halt die Hände derer fest,
die weiter Mensch und Schöpfung auf den Altären des Todes opfern wollen.
Wir bitten dich:
Erbarme dich.

Du siehst die Angst der Bedrohten,
du siehst die Angst der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer,
vor deinen Augen bleibt nicht verborgen,
wie sie auf Freiheit und Brot hoffen.
Darum greif ein,
gib du ihnen Sicherheit und schärfe die Gewissen derer,
die Sicherheit und Brot geben können.
Wir bitten dich:
Erbarme dich.

Du fühlst die Qual der Überlebenden,
du fühlst die Trauer der Menschen in Japan,
du spürst ihre verzweifelte Suche nach den Vermissten,
darum greif ein,
tröste sie und gib ihnen Kraft zum Leben.
Wir bitten dich:
Erbarme dich. Du siehst das verzweifelte Bemühen,
die Folgen der Reaktorkatastrophe zu begrenzen,
du stärkst diejenigen, die sich selbst riskieren, um andere zu retten.
Du gibst Mut mit jedem neuen Tag – sei er erfolgreich oder auch nicht.
So bitten wir dich:
Erbarme dich.

Du hörst das Schreien der Opfer von Krieg und Gewalt,
du hörst das Weinen der Menschen an der Elfenbeinküste,
das Weinen in Libyen, in Afghanistan, im Irak, in China.
Du hörst sie, lass du ihren Schmerz in den Ohren der Tyrannen hallen.
Greif ein.
Wir bitten dich:
Erbarme dich.

Du spürst unser Hoffen,
du spürst unsere Sehnsucht nach Heilung für unsere Kranken,
nach Trost für unsere Trauernden,
du spürst unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit
in unserem Land,
du spürst unsere Sehnsucht nach Frieden,
in unserer Mitte, in deinem heiligen Land, in aller Welt.
Du bist unsere Hoffnung,
erbarme dich unserer Sehnsucht.
Greif ein.
Wir bitten dich:
Erbarme dich.

Du erkennst den Glauben aller Menschen,
du kennst das Vertrauen, dass deine Gemeinde in dich setzt.
Du tröstest alle, die sich mutig zu dir bekennen.
Du bist Zuversicht und Zuflucht für die Deinen.
Behüte sie heute und alle Tage.
So bitten wir dich um Christi willen:
Erbarme dich.
Amen.

Einführende Informationen zum Wochengebet  

Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen