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Vom Sonntag her leben - Die Trinitatiszeit

Erntedank

Brich dem Hungrigen dein Brot: Die alttestamentliche Lesung aus Jes 58,7-12 stellt den Erentedanktag unter den Gedanken des Teilens. Dabei geht es nicht nur um Brot, sondern auch — wie der Text zeigt — um Obdach, Kleidung, Gerechtigkeit, Verantwortung für andere Menschen schlechthin. Groß ist die Verheißung, die mit solchem Teilen verbunden ist: »Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.« Es macht deshalb Sinn, das neue Evangelium auf den Erntedanktag, das uns schon am 15. Sonntag nach Trinitatis begegnet ist (Mt 6,25- 34), im Kontext dieser Lesung auszulegen: Solches Teilen der notwendigen Lebens-Mittel im Horizont des Gottesreiches und seiner Gerechtigkeit befreit von aller bangen, selbstbezogenen, engen und ängstigenden Sorge um den »morgigen Tag«.

Um das Teilen des Lebensnotwendigen geht es schließlich auch in der Epistel 2 Kor 9,6-15; Thema ist die Kollekte, die Paulus für Jerusalem sammelt, und die Auslegung sollte sich nicht allein auf das Sämann-Gleichnis kaprizieren. Wer sich für das alte Evangelium vom ›reichen Kornbauern‹ (Lk 12,[13-14]15-21) entscheidet, betont damit stärker die Momente der Buße und der endzeitlichen Erwartung, die auf den ersten Blick weniger zu der fröhlichen Stimmung des Erntedanktages zu stimmen scheinen. Doch darf nicht übersehen werden, dass auch die alttestamentliche Lesung im Grunde eine Art Buß- bzw. Umkehrpredigt darstellt.

Alle drei Tagesgebete stellen natürlich den Dank für Gaben Gottes in den Mittelpunkt. In traditioneller Manier redet das erste von den »Früchten des Feldes«. Das zweite bittet um »Einsicht und Klugheit« im Umgang mit den Gaben und spielt damit auf die Geschichte vom ›reichen Kornbauern‹ an. Das dritte weitet den Blick auf die »Fülle« des Lebens schlechthin.

Der Erntedanktag im Herbst — traditionell am Sonntag nach Michaelis (29. September) oder am ersten Sonntag im Oktober begangen — ist einer der wenigen Anlässe, bei denen das Naturjahr unmittelbar in das Kirchenjahr hineinreicht. Die reformatorischen Kirchenordnungen hatten zunächst unterschiedliche Bestimmungen hinsichtlich des Termins getroffen: Manche verbanden den Dank für die Ernte mit Michaelis, andere legten ihn auf den Bartholomäustag (24. August), auf den Sonntag nach Ägidii (1. September) oder nach Martini (11. November). In manchen regionalen Bräuchen wirken diese älteren Termine noch nach.

Liturgische Farbe: grün
Evangelium: Lk 12,(13-14).15-21
Predigt: Jes 58,7-12
Wochenlied: Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324)

Erntedankgebet (2011)

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich
     und seine Güte währet ewiglich.

Die Früchte dieses Sommers liegen vor uns.
Reifes und Unvollendetes,
Köstliches und Gewöhnliches,
Gelungenes und Missglücktes,
Erfolge und Versagen,
Beglückendes und Beschämendes.
Manches erarbeitet, das meiste geschenkt.
Aus Gottes Händen haben wir sie empfangen.
Darum:
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich
     und seine Güte währet ewiglich.

Wir leben nicht allein.
Menschen begleiten unseren Weg.
Vertraute und Fremde,
Geliebte und Verlorene,
Freunde und Feinde,
die, für die wir sorgen und die, die sich um uns sorgen,
die, die uns tragen und die, die uns zu tragen geben.
Manche tagtäglich nahe, andere an fernen Orten.
Aus Gottes Händen haben wir sie empfangen.
Darum:
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich
     und seine Güte währet ewiglich.

Wir leben in einer Welt
voller Schönheit und Reichtum.
Orte des Glücks und Regionen des Elends,
Orte der Hoffnung und Stätten der Sehnsucht.
Orte, an denen die Liebe groß wird.
Orte, an denen Menschen den Frieden suchen.
Aus Gottes Händen haben wir sie empfangen.
Darum:
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich
     und seine Güte währet ewiglich.

Wir leiden auch.
Menschen verhungern, hassen und töten einander.
Unsere Meere und Flüsse werden vergiftet,
ganze Regionen sind radioaktiv verstrahlt,
Naturkatastrophen verwüsten ganze Landstriche.
Krankheit, Tod, Trauer und Verzweiflung lasten auf uns.
Darum lasst uns Gott anrufen:
Erhöre mich, wenn ich rufe,
Gott meiner Gerechtigkeit;
Der du mich tröstest in Angst;
Sei mir gnädig und erhöre mein Gebet.

Wir leben in der weltweiten Gemeinschaft der Kirche.
Gemeinsam sind wir Gottes Volk
in unserer Gemeinde,
in den geistlichen und diakonischen Gemeinschaften,
in den Gemeinden überall auf der Welt.
Gemeinsam sind wir Gottes Kinder
in unserer Kirche und in den Kirchen der Ökumene.
Gemeinsam sind wir Salz der Erde und Licht der Welt.
Gottes Wort spricht zu uns.
Gottes Liebe verbindet uns.
Gottes Frieden beruft uns.
Aus Gottes Händen haben wir den Glauben empfangen.
Darum:
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich
     und seine Güte währet ewiglich.

Amen.

Einführende Informationen zum Wochengebet

Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen