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Vom Sonntag her leben - Der Weihnachtsfestkreis - Weihnachten

Epiphanias: Fest der Erscheinung des Herrn

Steht zu Weihnachten der Gedanke der Menschwerdung — und damit der Selbstentäußerung Gottes — im Vordergrund, so betont das Fest der Erscheinung stärker den herrscherlichen Aspekt dieses Vorgangs. Es ist wirklich Gott, der Herr, der sich in Jesus der Menschheit zuwendet und seine Königsherrschaft über die Welt aufrichtet: Die Magier kommen, um den »neugeborenen König der Juden« anzubeten; sie huldigen ihm mit königlichen Geschenken (Mt 2,1-12). Die Berufung zum Sohn in der Taufe (Mt 3,13-17) bedeutet Herrschafsübertragung, Krönung. Die Evangelien, die nach evangelischer Ordnung die Sonntage nach Epiphanias prägen (Joh 2,1-12; Mt 8,5-13; Mk 4,35-41), offenbaren die Machtfülle des Gottessohnes, von dem die Epiphaniaslieder singen: »Jesus ist kommen, der König der Ehren« (EG 66).

Das Lichtmotiv ist von Anfang an mit dem Fest verbunden (»O Jesu Christe, wahres Licht«, EG 72). Mit ihm verknüpfte man den Missionsgedanken, der besonders in evangelischen Gemeinden eine Rolle spielt. Der Stern, der die Weisen zum Christuskind leitet, wird ebenfalls vielfach in diesem Sinn gedeutet: Der »Wunderstern« (EG 73) bringt Licht, Klarheit und Freude auch in das Leben des einzelnen Glaubenden.

Die Wurzeln des Festes liegen in Ägypten, wo man um den 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion beging und heilbringendes Wasser aus dem Nil schöpfte. Hieran anknüpfend, feierte die gnostische Sekte der Basilidianer die Taufe Jesu im Jordan, die sie als die eigentliche Zeugung und Geburt des Christus verstand. Vermutlich hat die Kirche in Ägypten zu Beginn des 4. Jh. dem ein eigenes Fest entgegengesetzt, das sowohl die Taufe Jesu als auch seine Geburt zum Inhalt hatte. Als man im Osten später das römische Weihnachtsfest übernahm, wanderte das Motiv der Menschwerdung auf den 25. Dezember.

Der 6. Januar stand nun vor allem im Zeichen der Taufe Jesu. Im Abendland wurde die Geschichte von der Anbetung des Kindes durch die Weisen zum eigentlichen Inhalt des Festes. Ist Mt 2,1-12 nur von Weisen allgemein die Rede, so wurde ihre Zahl später auf Grund der Zahl der Gaben auf drei festgesetzt. Sie wurden zu Königen, deren Namen man zu kennen glaubte: Balthasar, Melchior und Caspar. Der 6. Januar gewann im Abendland dadurch immer stärker den Charakter eines Heiligenfestes (Dreikönigstag).

Auch nach dem Evangelischen Gottesdienstbuch prägt das Evangelium Mt 2,1-12 den Charakter des Festes. Die Perikope von der Taufe Jesu (Mt 3,12-17), die nach der alten Leseordnung hier zusätzlich ihren Platz hatte, ist dem 1. Sonntag nach Epiphanias zugeordnet worden. Die Lesung aus Jes 60,1-6 — früher eine der wenigen alttestamentlichen Episteln überhaupt — führt vor, in welcher Weise die Motive des Evangeliums (wie seiner späteren Ausdeutung) im Alten Testament vorgebildet sind: »Und die Heiden werden zu deinem Licht ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht ... Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.«

Die Epistel Eph 3,2-3a.5-6 nimmt das auf, wenn sie erklärt, »dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören«. Das erste Tagesgebet thematisiert die Anbetung der Weisen, das zweite stellt das Lichtmotiv in den Mittelpunkt, das dritte knüpft mit dem Gedanken der Christussuche an die Geschichte von den Weisen an: »Gib uns die Gnade, dich zu suchen, wo du zu finden bist.« Das Fest hat eine eigene Präfation, die Christus als »Licht der Welt und Heiland der Völker« preist. Die liturgische Farbe ist weiß.

Liturgische Farbe: weiß
Evangelium: Mt 2,1-12
Predigt: Kol 1,24-27
Wochenlied: Wie schön leuchtet der Morgenstern (EG 70)

Gebet für Epiphanias
(6. Januar 2012)

Großer Gott, du kleines Kind.
Die Weisen haben deinen Stern gesehen.
Wir bitten dich für alle Mächtigen.
Lenke ihren Blick.
Gib ihnen die Offenheit, neue Wege für das Wohl der Völker zu suchen.
Gib ihnen Aufmerksamkeit für die Hoffnungen der Menschen.
Gib ihnen Ausdauer und Beständigkeit auf dem langen Weg zum Frieden.
Gib ihnen die Klugheit, den Verlockungen der Macht zu widerstehen.
Du Kind in der Krippe locke auch heute die Mächtigen zu dir.
Mache die Welt hell – Erhöre uns!

Großer Gott, du kleines Kind.
Dein Stern leuchtet inmitten der elenden Weltverhältnisse auf.
Wir bitten dich für alle Bedürftigen.
Beschütze ihre Würde.
Gib ihnen das tägliche Brot.
Verbanne Krieg und Gewalt.
Richte die Verzweifelten auf.
Lindere die Schmerzen der Kranken.
Tröste die Trauernden.
Du Kind in der Krippe beschenke auch heute die Bedürftigen.
Mache die Welt hell – Erhöre uns!

Großer Gott, du kleines Kind.
Du liebst das Kleine und Unbedeutende.
Wir bitten dich für alle Kinder.
Lass sie in Frieden aufwachsen.
Bewahre sie vor Missbrauch und Gewalt.
Sorge du für Gerechtigkeit.
Ermutige sie in Angst.
Schenke ihnen die Erkenntnis zum Guten.
Du Kind in der Krippe mache auch heute das Kleine stark.
Mache die Welt hell – Erhöre uns!

Großer Gott, du kleines Kind.
Du gibst dich für uns hin und erfüllst alle Sehnsucht.
Wir bitten dich für alle,
die sich nach Wahrheit und Gerechtigkeit sehnen.
Stecke mit deiner Liebe alle an, die resignieren.
Begeistere alle, die dich suchen.
Mache alle reich, die sich für andere aufopfern.
Segne alle, die wir lieben.
Sei mit deiner Kirche.
Du Kind in der Krippe stille auch heute die Sehnsucht nach dir.
Mache die Welt hell – Erhöre uns!

Amen

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