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Suche nach Leben - Abendmahl

Wahrnehmung der Situation

Seit ihren Anfängen feiert die Christenheit das Abendmahl mit Brot und Wein. In der evangelischen Kirche hat es in den letzten Jahrzehnten als Mahl der Gemeinschaft, der Hoffnung und der Freude neu an Bedeutung gewonnen. Es ist zu beobachten, dass in vielen Gemeinden das Abendmahl häufiger als früher gefeiert wird und mehr Gemeindeglieder daran teilnehmen. In immer mehr Gemeinden sind auch Kinder zum Abendmahl eingeladen. Vielen Christinnen und Christen ist das Abendmahl zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Frömmigkeit geworden. Anderen bleibt sein Sinn hingegen fremd. Sie empfinden Scheu vor dem gemeinsamen Kelch und der persönlichen Nähe.

Eine vielfältige liturgische Gestaltung, Gesten des Friedens und der Gemeinschaft, neuere Formen bei der Austeilung von Brot und Wein können jedoch den Zugang erleichtern. Auch auf Kirchentagen, Freizeiten und Rüstzeiten oder in Gemeindekreisen wird die Feier des Abendmahls als Glaubens- und Lebenshilfe erfahren. Dies gilt auch für Zeiten der Krankheit und in schwierigen Lebenssituationen.

Viele Gemeindeglieder fragen, warum nicht alle Kirchen Abendmahlsgemeinschaft untereinander haben. Sie leben z. B. in einer konfessionsverschiedenen Ehe und können nicht verstehen, warum die gemeinsame Teilnahme am Abendmahl ein Problem ist. Ökumenische Gottesdienste und Begegnungen, gemeinsame Bibelwochen und Gesprächsabende bestärken sie in der Ansicht, dass die Konfessionsgrenzen gerade bei der Abendmahlsgemeinschaft kein Hinderungsgrund sein dürfen.

Der Zusammenhang von Konfessionszugehörigkeit und Zulassung zum Abendmahl wird immer weniger gesehen und akzeptiert. Auch Menschen, die nicht getauft sind, aus der Kirche Ausgetretene oder Mitglieder anderer Kirchen wollen zuweilen an einer Abendmahlsfeier teilnehmen, z. B. bei einer Konfirmation oder auf Kirchentagen. Die christliche Gemeinde steht vor der Aufgabe, bei der Einladung zum Abendmahl im Blick zu behalten, dass es grundsätzlich die Feier derer ist, die sich zu Christus als ihrem Herrn bekennen.

Weil die gemeinsame Feier des Abendmahles als Zeichen der Einheit der Kirche von vielen Christinnen und Christen erhofft wird, ist das Abendmahl ein zentrales Thema vieler ökumenischer Gespräche. Ihr Ziel besteht darin, sich im Verständnis des Abendmahls so weit aufeinander zuzubewegen, dass es trotz konfessioneller Unterschiede gemeinsam gefeiert werden kann.

(Textauszug aus den "Leitlinien kirchlichen Lebens")