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Suche nach Leben - Abendmahl

Biblische Grundlage und theologische Orientierung

Nach der von Paulus in 1 Kor 11,23-26 zitierten Überlieferung und den Erzählungen der ersten drei Evangelien (Mt 26,17-30; Mk 14,22-25; Lk 22,7-20) hat Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern ein Abschiedsmahl gefeiert. In den synoptischen Evangelien geschieht dies nach dem Brauch des jüdischen Passahfestes. Während der Feier reichte er ihnen das Brot und den Kelch mit Worten, an die sich die christliche Gemeinde von ihren Anfängen bis heute bei jeder Feier des Abendmahles unter Anrufung des Heiligen Geistes erinnert. In Luthers deutscher Fassung der Messe lauten sie:

»Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus, dieser Kelch ist der neue Bund / das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.« (Vgl. Evangelisches Gottesdienstbuch, S. 80).

Im Augsburgischen Bekenntnis Artikel 10 heißt es: »Vom Abendmahl des Herrn wird so gelehrt, dass der wahre Leib und das wahre Blut Christi wirklich unter der Gestalt des Brotes und Weines im Abendmahl gegenwärtig ist und dort ausgeteilt und empfangen wird.« So schenkt sich uns Jesus Christus selbst »in seinem für alle dahingegebenen Leib und Blut durch sein verheißendes Wort.« (Leuenberger Konkordie Nr. 18.) Er ist zugleich Gabe und Gastgeber. Indem die im Gottesdienst versammelte christliche Gemeinde Abendmahl feiert, erinnert sie sich an das Leiden und Sterben Jesu. Sie verkündigt damit, dass durch den Tod Jesu Christi Gott die Welt mit sich versöhnt und einen neuen Bund mit ihr begründet hat (1 Kor 11,26; 2 Kor 5,19-20). So empfangen wir im Abendmahl durch Jesus Christus die Vergebung der Sünden sowie die Erweckung und Stärkung unseres Glaubens (Augsburger Bekenntnis Artikel 10; 13).

Wir erleben die in der Taufe begründete Zusammengehörigkeit mit ihm und untereinander immer wieder neu (1 Kor 10,16) und freuen uns dankbar über die Vergewisserung unserer Hoffnung auf das endgültig gemeinsame Leben mit ihm in seinem zukünftig vollendeten Reich. So ist das Abendmahl Sakrament: Es ist Gottes freie Handlung, in der der Heilige Geist an uns Menschen wirkt. Zur Handlung gehört das Wort, mit dem Jesus Christus das Brot und den Kelch an seine Jünger reichte. Die darin enthaltene Verheißung gilt auch uns heute.

Die besondere Wertschätzung der Gabe des Abendmahls kommt in der persönlichen Vorbereitung auf den Abendmahlsempfang zum Ausdruck. Dazu gehört der Wille zur Versöhnung, wo Streit ist, und das Bekenntnis eigener Schuld in der gemeinsamen Beichte während des Gottesdienstes. Der Versöhnung und Gemeinschaft stiftende Charakter des Abendmahles verwirklicht sich im Teilen des Brotes und im Trinken aus dem gemeinsamen Kelch. Dadurch verpflichtet und bestärkt die Feier des Abendmahles die Teilnehmenden, so zu leben, dass auch ihr Verhalten ihrer Zugehörigkeit zur Gemeinde und damit zum Leib Christi entspricht (1 Kor 10;11).

In diesem Zusammenhang berichtet das Neue Testament von Mahlzeiten der Getauften, die als Sättigungsmahl gefeiert wurden. Dabei wurden mitgebrachte Speisen geschwisterlich geteilt. Da die Verbindung dieser »Agape-Mahle« (von griech. agape = Liebe) mit dem Abendmahl auch zu Streitigkeiten führte, trat der Apostel Paulus für eine deutliche Unterscheidung von Abendmahl und Agapemahl ein (1 Kor 11,17-22).

Dennoch ist das Sakrament des Abendmahles auch im Zusammenhang der Mahlzeiten, die Jesus während seiner gesamten Wirksamkeit mit vielen Menschen gehalten hat, zu verstehen. In Jesu Offenheit auch gegenüber Zöllnern und Sündern (z.B. Lk 19,1-10) wird die bedingungslose Liebe Gottes zu allen Menschen erfahrbar, mit der er durch Jesus Christus Gemeinschaft der Menschen mit sich und untereinander im Zeichen seiner angebrochenen Herrschaft stiftet.

(Textauszug aus den "Leitlinien kirchlichen Lebens")