Harte Gerichtstöne schlägt demgegenüber die alttestamentliche Lesung (Jer 8,4-7) an: »...mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.« Als Wochenlied singt man die Umdichtung der alten Sequenz aus den Messen für die Verstorbenen Dies irae, dies illa: »Es ist gewisslich an der Zeit, dass Gottes Sohn wird kommen« (EG 149). Andere Töne schlägt der Eingangspsalm an; hier kommt stärker der befreiende, rettende Aspekt des Endgerichts zum Tragen: »Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes...« (Ps 50).
So schwankt die Stimmung dieses Sonntags zwischen Hoffnung und Verzweiflung, und der Wochenspruch kann dies nur unzulänglich zusammenbinden: »Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi« (2 Kor 5,10). Auch das zweite Tagesgebet weiß: »...vor dir müssen wir verantworten, was wir tun und lassen«, und das erste ergänzt: »...unsere Worte und Taten können in deinem Gericht nicht bestehen.« Nur das dritte bringt auch die hoffnungsvollen, befreienden Aspekte deutlich zur Sprache, wie sie von Paulus in der Epistel angesprochen werden: »...in Jesus Christus hast du Frieden gestiftet. Wir sehnen uns nach diesem Frieden, nach Gerechtigkeit und erfüllter Gemeinschaft.« Mag sein, dass es dabei auch den Volkstrauertag im Blick hat, der in Deutschland an diesem Sonntag begangen wird.
Der Vorletzte Sonntag kann im Rahmen der Friedensdekade auch als ›Friedenssonntag‹ mit den Lesungen Mi 4,1-4, 1 Tim 2,1-4 (oder Phil 4,6-9), Mt 5,2-10(11- 12) oder Mt 16,1-4 (bzw. Joh 14,27-31a) begangen werden (vgl. EGb S. 474f).
Liturgische Farbe: grün
Evangelium: Mt 25,31-46
Predigt: 2.Kor 5,1-10
Wochenlied: Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149)
Du Gott voller Barmherzigkeit,
komm uns entgegen,
sei da,
begleite uns,
damit wir uns nicht verirren.
Wir bitten dich:
Sei bei uns, wenn wir uns abmühen.
Sei bei uns, wenn wir vor Schmerzen seufzen.
Sei bei uns, wenn wir angesichts des Todes verzweifeln.
Sei mit deinem Geist gegenwärtig.
Sei da,
wo die Tapferen gegen die Verzweiflung kämpfen.
Sei da,
wo Kranke und Sterbende sind.
Sei da,
wo Trauernde weinen.
In der Stille bringen wir ihre Namen vor dich.
Erbarme dich, du Gott voller Barmherzigkeit.
Wir bitten dich:
Sei bei uns, wenn wir hilflos sind.
Sei bei uns, wenn wir keinen Rat wissen.
Sei bei uns, wenn wir in diesem Leben einander Heimat sein wollen.
Sei mit deinem Geist gegenwärtig.
Sei da,
wo Mutige der Gerechtigkeit zu ihrem Recht verhelfen wollen.
Sei da,
wo die Mächtigen entscheiden.
Sei da,
wo Flüchtlinge und Obdachlose Herberge suchen.
In der Stille bringen wir sie alle vor dich,
die Mutigen, die Mächtigen und die Obdachlosen.
Erbarme dich, du Gott der Gerechtigkeit.
Wir bitten dich:
Sei bei uns, wenn wir uns ängstigen,
Sei bei uns, wenn uns Erinnerungen quälen.
Sei bei uns, wenn wir uns nach Frieden und Ruhe sehnen.
Sei mit deinem Geist gegenwärtig.
Sei da,
wo die Furchtsamen dabei sind, die Hoffnung aufzugeben.
Sei da,
wo die Verletzten an der Kraft der Versöhnung zweifeln.
Sei da, wo die Friedenssucher zu verzagen drohen.
In der Stille bringen wir alle vor dich,
die sich nach Frieden und Versöhnung sehnen.
Erbarme dich, du Gott des Friedens.
Wir bitten dich,
sei mit deiner Kirche.
Sei mir deinem Geist gegenwärtig.
Sei da, wenn sie mit den Ängstlichen seufzt
und mit den Verletzten weint.
Mache sie zur Trösterin.
Und tröste sie selbst, wenn auch sie in Gefahr gerät,
sich ängstigt und verletzt wird.
Steh ihr bei und bestärke sie in der Hoffnung auf dich.
Erbarme dich, du ewiger Gott.
Dir vertrauen wir uns an durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder. Amen.
Einführende Informationen zum Wochengebet