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Vom Sonntag her leben - Die Trinitatiszeit

Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Wann kommt das Reich Gottes? Geheimnisvoll ist die Antwort, die Jesus auf diese Frage gibt (Evangelium Lk 17,20-24[25- 30]): Sein Kommen lässt sich nicht »beobachten« -- denn es ist (schon?) »mitten unter euch« (Luther übersetzte: »inwendig in euch«). Viele Exegeten interpretieren das so, dass sich im Wirken Jesu bereits hier und jetzt die Nähe des Gottesreiches zeigt, dass es also ›in ihm‹ bereits im Kommen ist: »Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils« (Wochenspruch 2 Kor 6,2b).

Dass dies verborgen ist, dass das Gottesreich in seiner offenbaren, vollendeten Gestalt erst noch erscheinen wird, daran lässt das Evangelium freilich gleichfalls keinen Zweifel. Die anderen Lesetexte des Sonntags stellen stärker individuelle Aspekte in den Mittelpunkt: Die alttestamentliche Lesung aus Hiob 14,16 vergleicht das menschliche Leben mit einer ›Blume‹ und einem ›Schatten‹ und weist so auf seine Endlichkeit und Vergänglichkeit hin.

Aus dem Duktus der Auseinandersetzung um die ›Starken‹ und ›Schwachen‹ in Rom herausgerissen, artikuliert die Epistel Röm 14,7-9 die christliche Hoffnung im Angesicht von Tod und Sterben: »...wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.«

Alle drei Tagesgebete nehmen demgegenüber nachdrücklich auf die das Todesschicksal des Einzelnen übergreifende Reich-Gottes-Hoffnung Bezug: »Diese zerstrittene Welt sehnt sich nach Frieden«, stellt das erste fest. Das zweite betet: »...du weckst in uns die Sehnsucht nach Erneuerung unserer Welt.« Und das dritte weiß: »...du widerstehst dem Unrecht und vertrittst die Sache der Armen und Schutzlosen.«

Als Wochenlied singt man entweder EG 152 (»Wir warten dein, o Gottessohn«), was besser zum Evangelium passt, oder — wie am 24. Sonntag — EG 518.
Für die drei letzten Sonntage des Kirchenjahres hat das Evangelische Gottesdienstbuch eine eigene Präfation, die stärker die individuelle Hoffnung im Angesicht des Endes akzentuiert: »Denn in dir leben und sind wir...« (vgl. aber auch die Texte auf S. 620 und S. 626).

Liturgische Farbe: grün
Evangelium: Lk 17,20-24.(25-30)
Predigt: 1.Thess 5,1-6(7-11)
Wochenlied: Wir warten dein, o Gottes Sohn (EG 152) 

Fürbitten für den Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr

Du hast uns dazu bestimmt, das Heil zu erlangen,
du gnädiger Gott.

Du machst uns zu Menschen, die dein Licht sehen können.
Öffne unsere Augen, damit wir dein Licht erkennen
und den Weg zu dir finden.

Wir rufen dich an:
Erhöre uns.
Vertreibe die Nacht.
Lass dein Licht in unserer Zeit leuchten.

Wir bitten dich um dein Licht
für die Hoffnungsvollen, die voller Mut aufbrechen wollen.
Wir bitten dich um dein Licht
für die Verzweifelten, die nicht mehr weiter wissen.

Wir bitten dich um lichtvolle Klarheit
in allem Gedenken an diesem 9. November:
für das Erinnern an das Leid vor 70 Jahren,
an die Schuld und das Versagen,
für das Erinnern an die Freude vor 19 Jahren,
an die erfüllten, wie an die nicht eingelösten Hoffnungen.
Zeige mit deinem Licht den Weg zu Frieden und Versöhnung.

Wir rufen dich an:
Erhöre uns.
Vertreibe die Nacht.
Lass dein Licht in unserer Zeit leuchten.

Wir bitten dich um dein Licht
für alle, die im Schatten des Todes sitzen:
für die von Krieg bedrohten Menschen,
die Opfer von Bombenanschlägen;
für die Armen, die nicht wissen, wovon sie morgen noch leben können,
für die Opfer von Katastrophen,
die Opfer des Busunglücks bei Hannover,
für die Trauernden.

Wir bitten dich um lichtvolle Klarheit
für die Orte, an denen Finsternis und der Tod regieren wollen:
für die Menschen im Kongo und im Irak,
für die bedrängten Gemeinden in Indien und in China.
Zeige mit deinem Licht den Weg zu dir.

Wir rufen dich an:
Erhöre uns.
Vertreibe die Nacht.
Lass dein Licht in unserer Zeit leuchten.

Wir bitten dich um dein Licht
für deine Kirche:
lass sie dich mutig bezeugen,
mache sie zu einem leuchtenden Vorbild für ein Leben in Gerechtigkeit,
verwandele sie und zeige durch sie deinen Frieden.

Wir bitten dich um lichtvolle Klarheit
für alle Gemeinden:
damit sie eins sind und nicht aufhören dich gemeinsam zu suchen;
für unsere Gemeinde.
Segne uns in unserem Tun.

Wir rufen dich an:
Erhöre uns.
Vertreibe die Nacht.
Lass dein Licht in unserer Zeit leuchten.

Wir bitten dich selbst um dein Licht:
Mache uns und alle, die uns anvertraut sind,
zu Menschen des Lichts.
Du hast uns dazu bestimmt, das Heil zu erlangen,
du gnädiger Gott.
Dir vertrauen wir uns an,
durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder.
Amen.

Einführende Informationen zum Wochengebet