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Vom Sonntag her leben - Die Trinitatiszeit

24. Sonntag nach Trinitatis

Da stand das Mädchen auf: Wie schon am 16. Sonntag nach Trinitatis erzählt heute das Evangelium (Mt 9,18-26) von einer Totenerweckung. Verwoben mit dieser Erzählung ist die Geschichte von der Heilung der ›blutflüssigen Frau‹: »Könnte ich nur sein Gewand berühren, so würde ich gesund.« Beidemale stehen Frauen im Mittelpunkt. Und beidemale eignet dem Wunder eine ›körperliche‹ Komponente: Jesus berührt — er ergreift das Mädchen bei der Hand — und lässt sich berühren. Das sollte nicht zu allegorisierenden Deutungen verführen. Aber es zeigt doch, wie realistisch diese Erweckungs- und Heilungsgeschichten gemeint sind.

Einen Deutungsvorschlag eigener Art unterbreitet das zweite Tagesgebet: »Hilf uns in der Angst vor dem Leben, hilf uns aus der Angst vor dem Tode...« In einen noch größeren, wahrhaft universellen Rahmen stellt das dritte Tagesgebet die beiden Heilungsgeschichten: »Du trägst das Universum in deinem Schoß, du trägst auch uns.« Es darf sich dabei auf die Epistel Kol 1,(9-12)13-20 beziehen: In Christus »ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist«.

Das Thema Tod und Leben — und damit der Tenor des Evangeliums — wird vom Eingangspsalm 39 aufgenommen: »Herr, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss...« Der Leitvers aus Röm 14,9 würde sich gut als Wochenspruch eignen: »Dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.« Wochenlied ist die von Martin Luther fortgeschriebene alte Antiphon Media vita in morte sumus: »Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen« (EG 518).

Die alttestamentliche Lesung (Pred 3,1-14) thematisiert die Vergänglichkeit aller Bemühungen, Empfindungen, Beziehungen: »Ein jegliches hat seine Zeit...«, leitet daraus aber eine überraschend diesseitige Moral ab: »...dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.«

In gewisser Weise erscheint dieser Sonntag — der freilich nur in den Jahren vorkommt, in denen Ostern vor dem 27. März liegt — als eine Art vorweg genommener ›Totensonntag‹. Inhaltlich ist er darum schon der ›Endzeit‹ des Kirchenjahres zuzurechnen, die mit dem Drittletzten Sonntag beginnt und in besonderer Weise die ›letzten Dinge‹ thematisiert.

Liturgische Farbe: grün
Evangelium: Mt 9, 18-26
Predigt: Pred 3, 1-14
Wochenlied: Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen (EG 518)

 

Fürbitten für den 24. Sonntag nach Trinitatis

Du hast alles schön gemacht, Gott.
Aus deinen Händen empfangen wir die Zeit.
Mit unserem Herzen lässt du uns
ein Stück deiner Ewigkeit erkennen.
Komm mit deiner Ewigkeit in unsere Zeit.
Sei gegenwärtig.

Wir bitten dich -
Komm zu den Kindern, die in diesen Tagen geboren werden.
In der Stille bringen wir die Kinder vor dich,
die unserem Herzen nahe sind.

Komm zu den Sterbenden.
In der Stille nennen wir dir alle,
die wir loslassen mussten.

Sei gegenwärtig.

Wir bitten dich -
Steh uns bei:
in der Arbeit, die du uns Menschen aufgetragen hast,
bei unserem Pflanzen, Bauen, Suchen und Forschen.
in unserem Eingreifen in die Natur.

Sei gegenwärtig.

Wir bitten dich -
Beschütze uns Menschen, wenn wir die Plagen des Lebens übermächtig erleben.
Sei dort, wo Gewachsenes ausgerissen wird,
wo Zusammengehörendes zerrissen wird,
wo wir verlieren und nicht wieder finden.

In der Stille bringen wir die Menschen und Orte vor dich,
die unter der Last der Plagen zu zerbrechen drohen.

Sei gegenwärtig.

Wir bitten dich -
Schenke Zeit aus deiner Ewigkeit,
damit Heilung geschieht
und Frieden einkehrt.
Sei bei den Liebenden,
den Lachenden und Tanzenden.

Sei gegenwärtig.

Wir bitten dich -
Segne deine Kirche und
alle, die dir vertrauen
hier und an allen Orten deiner Welt.

Um Christi willen.
Sei gegenwärtig.
Amen.

Einführende Informationen zum Wochengebet

Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen


Gebet zum Gedenktag der Reformation

Barmherziger Gott,
aus deiner Gnade leben wir.
Du sorgst für uns.
Dir verdanken wir alles,
was wir sind und haben.

Erfülle unsere Herzen mit deiner Gnade,
damit wir wollen, was du willst.

Sende deinen Geist in deine Kirche,
damit sie dir mehr gehorcht als den Menschen,
damit sie keine Angst vor den Mächtigen der Welt hat,
damit sie nicht verzweifelt, wo sie verfolgt wird.

Mache uns dankbar für alle,
die uns dein Wort weitergegeben haben,
die uns die Augen für deine Werke geöffnet haben,
die uns als deine Zeuginnen und Zeugen vorangegangen sind.

Schenke deine Gnade allen,
die forschen und lehren,
damit sie dich in den Wundern des Lebens erkennen
und damit durch sie die Liebe zu dir und deiner Welt größer wird.

Erfülle unsere Herzen mit deiner Gnade,
damit wir wollen, was du willst.

Segne unsere Hände,
damit wir vollbringen, was du willst.

Sei mit deiner heilenden Gegenwart an allen Orten,
an denen Menschen leiden:
in den ungezählten Krisengebieten,
in den Flüchtlingslagern,
an den Kriegsschauplätzen.

Gib Gnade,
wo Menschen einander helfen.
Lass die Zahl der Friedfertigen groß werden.
Mache die Gerechtigkeit zur Richtschnur des menschlichen Zusammenlebens.
Gib denen reine Herzen, die über das Leben anderer entscheiden.

Segne unsere Hände,
damit wir vollbringen, was du willst.

Dir vertrauen wir uns an, durch Jesus Christus unseren Herrn.
Amen.