Im Interview würdigte er auch die künftige Zusammenarbeit zwischen VELKD und EKD. Er glaube, dass das beschlossene Verbindungsmodell für beide eine Stärkung bedeuten könne. Zudem sei er der festen Überzeugung, dass die VELKD in der neuen Struktur "deutlicher machen kann, warum sie nötig ist, was ihr Profil ist und was ihre besonderen und bleibenden Aufgaben sind".
Zum ökumenischen Dialog mit der römisch-katholischen Kirche in Deutschland merkte der Leitende Bischof an, dass sich beide Kirchen in den letzten vierzig Jahren schnell aneinander angenähert hätten, aber die schwierigen Probleme erst noch zu lösen seien. Dies brauche Zeit. Die dogmatischen Differenzen zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche seien so schwierig, dass in nächster Zukunft kaum mit dem entscheidenden Durchbruch zu rechnen sei. In der Hauptsache gehe es um die Frage des Bischofsamtes und der apostolischen Sukzession. "Meiner Ansicht nach haben wir Lutheraner, nimmt man das Verständnis des Abendmahls bzw. der Eucharistie für sich in den Blick, keine großen Differenzen mit den Katholiken und umgekehrt." Aber die von katholischer Seite vertretene Verbindung von Abendmahl und Weihepriestertum sei das, was trenne. Es werde deshalb beim Thema "gemeinsames Abendmahl" in absehbarer Zeit wohl keine Fortschritte geben. Es sei deshalb nicht sinnvoll, dies immer wieder anzumahnen, denn weder die deutsche katholische Kirche noch ein einzelner Bischof könne hier zu schnellen Lösungen gelangen.
Von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz erwarte er aber, dass sie sich dem anschließe, was ihre eigene Ökumene-Kommission schon vor zehn Jahren für möglich gehalten habe: "dass der Bischof seinen Seelsorgern die seelsorgerliche Freiheit gibt, den evangelischen Teil eines konfessionsverschiedenen Ehepaars zur Eucharistie zuzulassen, und zwar aus seelsorgerlichen Gründen im Einzelfall." Er erwarte keine generelle Zulassung, aber dieser Vorschlag sei kirchenrechtlich unproblematisch. In einigen deutschen und österreichischen Diözesen sei die Stellungnahme der Kommission im Amtsblatt der Diözese veröffentlicht worden, und deshalb könne dort so verfahren werden. Ganz allgemein erwarte er im Dialog mit der katholischen Kirche nicht, was für Rom als Weltkirche oder aus kirchenrechtlichen oder dogmatischen Gründen nicht möglich sei – "das wäre nicht ökumenisch. Mein Ziel ist es Dinge zu verwirklichen, die möglich sind. Das wäre ein ökumenisches Signal."
Mehr Entgegenkommen erhofft der Leitende Bischof der VELKD von der katholischen Kirche auch bei ökumenischen Wortgottesdiensten am Sonntagvormittag. Diese müssten immer von der Diözese eigens genehmigt werden. Die Genehmigungen würden seiner Bobachtung zu Folge eher restriktiver gehandhabt werden, was er nicht nachvollziehen könne. Er erlebe in Bayern, dass es – auch in katholischen Gegenden – viele Vereine gebe, die bei Jubiläen einen ökumenischen Gottesdienst feiern wollten, und die, wenn dies nicht möglich sei, sich nicht mit einer katholischen Messfeier zufrieden gäben, sondern statt dessen sagten, dass man um 10.00 Uhr eben gleich ins Bierzelt gehe. Dies könne nicht im Sinne der katholischen Kirche sein. Er verstehe das Anliegen, bei solchen Festen nicht nur als Verzierung erscheinen zu wollen, "aber da kann man auch gemeinsam gegensteuern".
Hannover, den 24.07.2006
Hinweis: Der vollständige Wortlaut des Interviews kann unter www.eak-cducsu.de abgerufen werden.