Pressemitteilung
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Christentum und Patriotismus
Für Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) lässt sich beides verbinden – Voraussetzung ist eine gewisse Weltkenntnis sowie die dankbare Bewegung in der vertrauten, unverwechselbar geprägten Kultur und vor allem die genaue Beobachtung des Eigenen und die respektvolle Betrachtung des Fremden – Vorab veröffentlichter Beitrag in den "VELKD-Informationen"
Hannover, den 02.05.2006
Christentum und Patriotismus lassen sich miteinander verbinden. Diese Auffassung vertritt der Landesbischof der
Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl (Dresden), in einem vorab veröffentlichten Beitrag der
"VELKD-Informationen" (Ausgabe vom 10. Mai). Er sehe im Patriotismus "eine bestimmte Haltung zu dem Weltverständnis und den Gestaltungsformen des Lebens, die wir in diesem Land miteinander teilen – oder teilen sollten, damit unser Leben gelingt". Eine solche Haltung könne jedoch nicht verordnet werden, schon gar nicht durch die Politik. Vielmehr werde sie "erworben durch eine gewisse Weltkenntnis, durch die dankbare Bewegung in der vertrauten, unverwechselbar geprägten Kultur und vor allem durch die genaue Beobachtung des Eigenen, ebenso durch die respektvolle Betrachtung des Fremden", so Bohl. Der umfassende Anspruch des christlichen Glaubens, der sich in der Gestaltung der Welt und des alltäglichen Lebens der Menschen in ihr bewähre, führe notwendigerweise zu einer Relativierung des Partikularen, Regionalen und auch des Nationalen.
Der sächsische Landesbischof führt weiter aus, dass Deutschland ein "schwieriges Vaterland" sei – "wegen der zentralen Katastrophe des 20. Jahrhunderts, des unrechtmäßig begonnenen und verbrecherisch durchgeführten Krieges und wegen des im Verlauf des Krieges begangenen beispiellosen Verbrechens der Ermordung der europäischen Juden". Dieser Teil unserer Geschichte sei vielfach und mit großer Intensität untersucht worden. Dennoch blieben ungelöste Rätsel und eine dauerhafte Irritation, der wir Deutschen uns nicht entziehen könnten. Der Umgang mit ihrer Schuld sei den Deutschen nach dem Krieg "relativ gut gelungen – soweit das überhaupt möglich ist". Man habe versucht, trotz allen Erschreckens über das Ausmaß der Verbrechen, die Augen nicht zu verschließen, genau hinzusehen, die Schuld nicht zu verleugne und sich ihr zu stellen, auch aus dem Geschehenen zu lernen – "vielleicht ist es sogar angemessen zu sagen, Buße zu tun", obwohl dieser Begriff eigentlich nur für Individuen gebraucht werden könne.
Hannover, den 02.05.2006
Der vollständige Wortlaut des Interviews kann in der Pressestelle der VELKD (Tel.: 0511/62 61 236, E-Mail: referatXI (ät) velkd.de) angefordert bzw. HIER herunter geladen werden.
Hannover,