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Pressemitteilung

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Dankbar, Teil der lutherischen Weltfamilie zu sein

Bischöfinnen und Bischöfe würdigen die Bildung des Lutherischen Weltbundes vor sechzig Jahren – LWB gedenkt an diesem Wochenende am Ort seiner Gründung in Lund/Schweden der 1. Vollversammlung 1947
Hannover, den 23.03.2007

„Die lutherischen Kirchen in Deutschland sind dankbar, dass sie Teil der lutherischen Weltfamilie sind. Diese Einbindung hilft uns, über den Tellerrand unserer kirchlichen Arbeit hinauszusehen und bewahrt uns vor der Gefahr des Provinzialismus.“ Mit diesen Worten hat Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München) den Lutherischen Weltbund (LWB) anlässlich seiner Entstehung im Jahre 1947 gewürdigt. Im Rahmen seiner diesjährigen Ratstagung und einem Treffen kirchenleitender Persönlichkeiten aus aller Welt gedenkt der LWB an diesem Wochenende mit einem Festgottesdienst in Lund/Schweden, am Ort der ersten Vollversammlung, seiner Gründung vor sechzig Jahren. In seiner Eigenschaft als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) bezeichnete es Johannes Friedrich als „hohes Gut, dass uns in der lutherischen Weltgemeinschaft auf der Grundlage des gemeinsamen Bekenntnisses Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verbindet“. Auf der Basis eines klaren Bekenntnisses sei dann auch eine wachsende Gemeinschaft mit anderen Kirchen möglich.

Weil die im LWB zusammengeschlossenen Kirchen im Glauben miteinander verbunden seien, könnten sie in Krisenregionen „gemeinsam effektiv handeln“. Darauf hat der Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche und stellvertretende Vorsitzende des DNK/LWB, Dr. Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald) aufmerksam gemacht. Der Weltbund sei eine Gemeinschaft, deren Glaube in der Liebe tätig werde. „Das ist seit 60 Jahren sein Markenzeichen. Das imponiert mir.“

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums hält es die Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Dr. Margot Käßmann, für wichtig, dass sich die deutschen lutherischen Kirchen „mit Dankbarkeit“ erinnern. Dass sie nur zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eingeladen worden seien, den LWB mit zu gründen, „war ein großes Zeichen von Versöhnung“. Heute sei es „von besonderer Bedeutung, dass unsere kirchliche Existenz vor Ort durch die Gemeinschaft mit lutherischen Kirchen in anderen Ländern und Kontinenten in einen weltweiten Horizont gestellt wird“. Dies gelte für theologische und ethische Themen, aber auch für die große Frage von Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. „In einer zerrissenen Welt diesen Herausforderungen als Gemeinschaft begegnen zu können, die ein Bekenntnis miteinander teilt, auf gemeinsame theologische Grundlagen aufbaut und miteinander Gottesdienst und Abendmahl feiert, ist auch 60 Jahre nach der Gründung des LWB Grund zur Dankbarkeit.“

In einer globalisierten Welt mit globalisierten Strukturen sei ein Netzwerk wie der Lutherische Weltbund „noch wichtiger als bisher“, ist der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Württemberg, Frank O. July (Stuttgart), überzeugt. „Denn auch wir stehen in der Gefahr einer Milieuverengung, dass wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigen.“ Deshalb sei er sehr froh, dass die württembergische Landeskirche 2010 Gastgeberin der 11. Vollversammlung des LWB sein werde. „Diese Begegnung mit lutherischen Christinnen und Christen aus aller Welt wird uns gut tun.“

Die evangelisch-lutherischen Kirchen Westeuropas sind nach Einschätzung der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen nach außen hin sehr unterschiedlich in ihren mehr staatskirchlichen, volkskirchlichen, freikirchlichen Kirchenordnungen, ihren Liturgien sowie liturgischen Gewändern und ihrer gesellschaftlich-diakonischen Präsenz. Und doch verbinde alle, von der Heiligen Schrift her unser kirchliches und persönliches, aber auch gesellschaftliches und politisches Leben zu deuten, zu korrigieren und mitzugestalten. „Für mich ist die praktizierte multilaterale Ökumene unverzichtbar und damit verbunden die Profilierung der eigenen lutherischen Traditionen, in jeweiliger Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und religiösen Bewegungen“, so Bischöfin Jepsen, die auch dem Rat des LWB angehört. Die Kirchen hätten die Herausforderungen lokal, regional und global wahrzunehmen und von der biblischen Botschaft her Antworten zu suchen.

Hinweis: Weitere Informationen zum Lutherischen Weltbund sind im Internet unter www.lutheranworld.org zu finden.

Das Deutsche Nationalkomitee (DNK) des Lutherischen Weltbundes (LWB) vertritt 13 lutherische Kirchen. Neben den acht Gliedkirchen der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) - Bayern, Braunschweig, Hannover, Mecklenburg, Nordelbien, Sachsen, Schaumburg-Lippe und Thüringen - gehören zum DNK: die Evangelisch-Lutherische Kirche in Baden, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Pommersche Evangelische Kirche, die Evangelische Landeskirche in Württemberg und die Lippische Landeskirche-Lutherische Klasse. Das DNK/LWB vertritt 13,1 Millionen Gemeindeglieder. Vorsitzender des DNK/LWB ist der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München). Die Geschäftsstelle des DNK leitet Oberkirchenrat Norbert Denecke. Der Lutherische Weltbund umfasst ca. 66 Millionen Gläubige in weltweit 140 Mitgliedskirchen.

Die Stimmen zum 60-jährigen Bestehen des Lutherischen Weltbundes im Wortlaut:

„Es gibt in unserer Welt eine für manche verwirrende Vielfalt von Ausgestaltungen des christlichen Glaubens. Da ist es eine wichtige Erfahrung, dass kontextuell sehr unterschiedlich geprägte Kirchen auf der gemeinsamen Basis des Bekenntnisses in beglückender Weise Gemeinschaft erleben. Wer einmal eine lutherische Kirche in Afrika oder Asien besuchen konnte, wird das unmittelbar bestätigen. Das Augsburger Bekenntnis und der Kleine Katechismus Martin Luthers verbinden die lutherische Weltfamilie. Es ist ein hohes Gut, dass uns in der lutherischen Weltgemeinschaft auf der Grundlage des gemeinsamen Bekenntnisses Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verbindet – was ansonsten in der Ökumene bei weitem nicht überall der Fall ist. Auf der Basis eines klaren Bekenntnisses ist dann auch eine wachsende Gemeinschaft mit anderen Konfessionen möglich. Die lutherischen Kirchen in Deutschland sind dankbar, dass sie Teil der lutherischen Weltfamilie sind. Diese Einbindung hilft uns, über den Tellerrand unserer kirchlichen Arbeit hinauszusehen und bewahrt uns vor der Gefahr des Provinzialismus.“

Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB)

Weil wir im Glauben miteinander verbunden sind, können wir in Krisenregionen gemeinsam effektiv handeln. Der Lutherisches Weltbund ist eine Gemeinschaft, deren Glaube in der Liebe tätig wird. Das ist seit 60 Jahren sein Markenzeichen. Das imponiert mir.“

Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), Pommersche Evangelische Kirche, stellv. Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB)

„Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums ist es für die deutschen lutherischen Kirchen wichtig, sich mit Dankbarkeit zu erinnern. Dass sie nur zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eingeladen wurden, den LWB mit zu gründen, war ein großes Zeichen von Versöhnung. Heute ist von besonderer Bedeutung, dass unsere kirchliche Existenz vor Ort durch die Gemeinschaft mit lutherischen Kirchen in anderen Ländern und Kontinenten in einen weltweiten Horizont gestellt wird. Das gilt für theologische und ethische Themen, aber auch für die große Frage von Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. In einer zerrissenen Welt diesen Herausforderungen als Gemeinschaft begegnen zu können, die ein Bekenntnis miteinander teilt, auf gemeinsame theologische Grundlagen aufbaut und miteinander Gottesdienst und Abendmahl feiert, ist auch 60 Jahre nach der Gründung des LWB Grund zur Dankbarkeit.“

Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover), Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers

„In einer globalisierten Welt mit globalisierten Strukturen ist ein globales Netzwerk der Kirchen noch wichtiger als bisher. Denn auch wir stehen in der Gefahr einer Milieuverengung, dass wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigen. Deshalb bin ich sehr froh, dass die Evangelische Kirche in Württemberg 2010 Gastgeberin der 11. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes sein wird. Diese Begegnung mit lutherischen Christinnen und Christen aus aller Welt wird uns gut tun.“

Landesbischof Frank O. July (Stuttgart), Evangelische Kirche in Württemberg

„Die evangelisch-lutherischen Kirchen Westeuropas erscheinen nach außen hin sehr unterschiedlich: in ihren mehr staatskirchlichen, volkskirchlichen, freikirchlichen Kirchenordnungen, ihren Liturgien sowie liturgischen Gewändern und ihrer gesellschaftlich-diakonischen Präsenz. Und doch verbindet uns alle, von der Heiligen Schrift her unser kirchliches und persönliches, aber auch gesellschaftliches und politisches Leben zu deuten, zu korrigieren und mitzugestalten. Für mich ist die praktizierte multilaterale Ökumene unverzichtbar und damit verbunden die Profilierung der eigenen lutherischen Traditionen, in jeweiliger Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und religiösen Bewegungen. Wir haben die Herausforderungen lokal, regional und global wahrzunehmen und von der biblischen Botschaft her Antworten zu suchen und uns dabei gegebenenfalls zu lösen von manchen liebgewonnenen Gewohnheiten. Galater 3,28 – „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ – nicht nur halbherzig und ansatzweise umzusetzen, ist für unser Miteinander in Kirche und Gesellschaft aufgetragen, und danach erst sind die Strukturfragen dran. Oft wird das heute verwechselt.“

Bischöfin Maria Jepsen (Hamburg), Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, Mitglied des Rates des Lutherischen Weltbundes (Quelle: Lutherische Welt-Information, 02/2007)

Hannover, den 23.03.2007


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